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Glasmehl als Strahlmittel

Kantiges, feinkörniges Glasmehl als Strahlmittel


Für diese Strahlmittelsorte gibt es im Grund genommen keine festgelegte, allgemein anerkannte Bezeichnung. Im allgemeinen Sprachgebrauch sind auch verschiedene andere Ausdrücke üblich, wie kantiger Glasbruch, Glaskorn und andere mehr. Es handelt sich um durch Brechen in Kugelmühlen hauptsächlich aus Fen­sterglasscherben hergestellte scharfkantige Körnungen, die so­dann auf einer Siebstation in üblicher Art und Weise in verschie­dene Korngrössen aussortiert werden. Üblich sind folgende Aus­siebungen:

Bei diesem Strahlmittel zeichnet sich jedes einzelne Korn durch seine allseitige Scharfkantigkeit aus. Im Strahlbetrieb tritt keine Rundung der Kanten ein, sondern das Korn zerbricht und zerfällt beim Bruch wiederum in kleinere, jedoch wiederum scharfkantige Splitter.

Glas ist bekanntlich ein sehr sprödes Material und zerbricht bei Stossbeanspruchung leicht. Es ist dies der Grund, warum kantiges Glaskorn sich nicht zur Verwendung in mit Schleuderrädern aus­gerüsteten Anlagen eignet. Dies trifft aber auch für nach dem Trockensystem arbeitende Druckluftstrahlanlagen zu. Der sich bildende scharfkantige, feine Glasstaub ist zwar an und für sich nicht gesundheitsgefährlich, bewirkt aber eine sehr unangenehme Reizung der Schleimhäute und verursacht leicht Nasenbluten usw., so dass besonders dicht abgeschlossene Strahlanlagen mit gross bemessener Entstaubungsleistung Voraussetzung einer eventuel­len Verwendung sind. Hingegen wird kantiges Glaskorn in vielen Fällen in nach dem Nassverfahren arbeitenden Strahlanlagen ver­schiedener System mit Erfolg angewendet. Bei diesen Verfahren wird mit einem Strahlmittel-Wassergemisch gearbeitet. Das Strahlmittel ist somit im Wasser suspendiert. Beim Austritt aus der Düse ist jedes Glaskorn mit einem allseitigen Wassermantel um­geben. Der Aufprall auf die Werkstückoberfläche wird hierdurch stark gedämpft, aber die schabende und spanabhebende Wirkung der scharfen Glaskanten bleibt erhalten. Das Zubruchgehen der Glaskörner wird hingegen stark vermindert. Beim Einsatz von kantigem Glaskorn in nach dem Nasssystem arbeitenden Appara­ten entfällt auch die Belästigung durch den feinen Glasstaub und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Einerseits weil sehr viel weniger solcher feiner Partikelchen entstehen, aber vor allem auch, da diese beim Nassbetrieb ebenfalls im Wasser suspendiert sind und sich deshalb mit dem Nassschlamm in der Anlage vermi­schen. Feiner, trockener, in der Luft schwebender Glasstaub tritt nicht auf.

Kantiges Glaskorn ist ein altbekanntes Strahlmittel. Bereits in den zwanziger Jahren, nach dem Ersten Weltkrieg, begann man, körni­gen Glasbruch in den damals üblichen Nassschlamm-Handappara­ten anstelle von Quarzsand für das Entfernen der beim Härten frisch gehauener Feilen sich bildenden Zunderschichten zu ver­wenden, denn entgegen den allgemeinen Erwartungen waren trotz dem Nassverfahren auch an Nassschlammgebläsen beim Betrieb mit Quarzsand zahlreiche Silikosefälle aufgetreten. Da im Glas SiO2 nur als Silikat in gebundener Form vorkommt, besteht bei Verwendung dieses Strahlmittels keinerlei Silikosegefährdung mehr.


Abb. 1 Handapparat, Gehäusedurchmesser 800mm nach dem Nass-Schlamm-System arbeitend für das Abstrahlen und Schärfen von Feilen, Metallsägen usw. Baujahr etwa 1935-1940. Fabrikat Graber + Wening Maschinenfabrik AG, Neftenbach ZH, Schweiz. Oben, die mit einem kleinen Gummivorhang abgedeckte Einführöffnung für die Feilen, unten im Bild links, das Fusspedal für die Betätigung des Strahls.


Abb. 1 zeigt einen nach dem Nassschlammsystem arbeitenden, speziell für das Abstrahlen von Feilen gebauten Handapparat et­was modernerer Bauart. An der Vorderfront ist die Öffnung, durch die der Arbeiter die Feile mit Hilfe einer Zange oder eines Halters einführt und hin- und herbewegt, gut sichtbar. Das Arbeitsprinzip der Schlitzdüse geht aus der Skizze Abb. 2 hervor. Sowohl neue Feilen während der Herstellung als auch alte gebrauchte Feilen werden gestrahlt, da dadurch der «Hau» wesentlich verbessert wird. Man spricht von einem «Schärfen» der Feilen.

Nach dem Nass-Schlamm-System arbeitende Apparate für das Be­handeln und Schärfen von Feilen werden heute nicht mehr gebaut. Für diese Zwecke werden die modernen, für das Druckstrahlläpp­chen, Liquidhoning usw. entwickelten Verfahren eingesetzt, wobei zumeist normale, serienmässig hergestellte Apparate Verwendung finden, und in denen ebenfalls mit einem Wasser/Strahlmittel-Gemisch gearbeitet wird. Diese Verfahren werden in einem späteren Kapitel beschrieben. Es sei jedoch an dieser Stelle noch erwähnt, dass auch heute noch in diesen modernen Anlagen für das Behan­deln und Schärfen von Feilen kantiges, feinkörniges Glasmehl als Strahlmittel Verwendung findet, ebenso auch für andere ähnliche Anwendungen wie das Enzundern von Sägeblättern, das Mattieren von Werkzeugen und anderes mehr.Im englischen Sprachgebrauch wird kantiges Glasmehl als «crus­hed glass» bezeichnet.


Abb. 2 Anordnung des Düsenkopfes in einem Nass-Schlamm-Handapparat für das Strahlen von Feilen.
1 = Feile
2 = Seitliche Führungen für die Hin- und Herbewegung der zu strahlenden Feile
3 = Düsenkopf mit breiter Schlitzdüse nach dem Saugsystem arbeitend
4 = Stützauflage für die Feilenführung
5 = Klemmkeil für die Stützauflage
6 = Anschlussstutzen für die DruckluftzuleitungAnmerkung: Die Ansaugleitung zum sich unten befindenden Nass-Schlamm-Behälter ist nicht eingezeichnet. Während dem Strahlen wird die Feile vom Arbeiter hin und her bewegt, wie durch die beiden Pfeile angedeutet.


Abb. 3 veranschaulicht eine zur Prüfung der Schärfe der Feilen, oder wie der in der Feilenindustrie verwendete Fachausdruck lau­tet, des «Hau's» verwendete Testmethode, wobei der Neigungs­winkel bestimmt wird, bei dem. ein genormtes Prüfklötzchen aus Bronze sich gerade noch auf der schräg stehenden Feile halten kann. Dieser Winkel hängt von der Reibung ab, durch die das Prüf­klötzchen aus Bronze von 76,2 mm (3 Zoll) Länge und 25,4 x 25,4 mm (1 x 1 Zoll) Querschnitt gerade noch am heruntergleiten verhindert wird, und ist somit indirekt ein Mass für die Schärfe der Feile. Bei gewöhnlichen, nicht gestrahlten Feilen beträgt dieser Auflagewinkel, bei dem sich das Klötzchen gerade noch halten kann, etwa 22 °. Durch Strahlen können die Adhäsion und somit auch der Hau soweit verbessert werden, dass der Winkel auf etwa 40° bis 45 ° erhöht wird.


Bild 3: Prüfmethode für den Hau gestrahlter und ungestrahlter Feilen.
A = Bei ungestrahlten Feilen beträgt der Winkel, bei dem das Prüfklötzchen aus Bronze gerade noch nicht ins Gleiten kommt, max. 22°. Bei grösserer Neigung kann das Prüfklötzchen sich nicht mehr halten.
B = Bei gestrahlten Feilen beträgt der Winkel, bei dem das Prüf klötzchen gerade noch nicht ins Gleiten kommt, etwa 40 bis 45°
1 = Holztisch
2 = Feile in Prüfung
3 = Prüfklötzchen aus Bronze, Länge 76,2 mm Breite 25,4 mm, Höhe 20,4 mm